Fundstück der 45. Kalenderwoche

Die FAIRTRADE Frage: über Irrungen und Perspektiven

(mm) Der Kaffee steht auf dem Frühstückstisch, dazu Brötchen, ein Ei und einige Bananen und doch greift keiner zu. Da steht nun diese Frage im Raum, von welchem Fleck der Erde die Sachen wohl kommen und wer dafür hart gearbeitet hat. Das sich anbahnende Gespräch über Fairtrade lässt jeden am Tisch kurz nachdenken.

So scheint es inzwischen vielen Menschen in Deutschland und auch anderen Ländern zu gehen. Das Vertrauen zu Fairtrade-Produkten wächst und die Leute werden sich der Vorteile von Welt-Läden und fair gehandelten Produkten bewusster. Verzicht auf Kinderarbeit, faire Löhne und fairer Handel, sowie nachhaltiger Anbau scheinen bekannte Stichworte zum Thema Fair Trade zu sein. Sogar Europäische Städte und Gemeinden setzten in jüngster Zeit mehr auf fair gehandelte Produkte.

Forum Freier Handel: Fact-Sheet: Trends und Entwicklungen im Fairen Handel 2010

Dass dabei aber nicht jeder Politiker erfreut ist, zeigt sich in Uelzen, wo ein Antrag der Grünen auf den Verzicht von Produkten aus ausbeuterischer Arbeit aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt wurde. Für den Uelzener Landrat Theodor Elster (CDU) sei, laut Spiegel, gerade die Kinderarbeit der "entscheidende Wettbewerbsvorteil". Diese Ansicht scheint allerdings nicht selten zu sein. Gerade die Eu-Kommission verhindert, dass Kommunen oder Regionen auf fairen Handel setzen. So wurde, wie der Spiegel weiter berichtet, im Mai die Provinz Noord-Holland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Die Ausschreibung von allein fairen Produkten „diskriminiere“, nach Ansicht der EU-Kommission, andere Anbieter, vor allem jene, die ein besseres Preis-Leistungsverhältnis aufweisen.

Achtet beim Einkauf auf dieses Zeichen!
Gerade dieses bessere Preis-Leistungsverhältnis aber ist nur durch systematische Ausbeutung, Kinderarbeit oder Zwangsarbeit zu erreichen. Fair Trade Produkte, wie solche mit dem FAIRTRADE Siegel, haben zwar meist höhere Preise, es wird aber strategisch die Armut bekämpft, indem die „Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Beschäftigten“  verbessert werden. Fair gehandelte Produkte schließen auch unfairen Zwischenhandel aus und fördern die Umstellung zu ökologischer Landwirtschaft.

Natürlich ist aber bio nicht gleich fair und fair nicht gleich bio. Wer zum Beispiel die „fair und bio“-Marke bei Lidl kauft, hat zwar das Siegel, unterstützt aber auch die ausbeuterische Firmenpolitik von Lidl. Auch Öko-Strom ist nicht immer das, was es scheint. Bei kleineren Stadtwerken, wie der EVH in Halle/Saale, kauft man beim Ökostrom auch Kohle und Atom, unterstützt aber immerhin Vereine für erneuerbare Energien. Ein Grund zum Zweifeln? Eher nicht. Wer ernsthaft über den eigenen Konsum nachdenkt und sich kritisch Gedanken macht, hat auch die Möglichkeit fair gehandelte, wie ökologische Produkte zu erwerben. Zu Anfang reicht es schon zu überlegen, welche Produkte zu welchen Jahreszeiten und welche überhaupt in unseren Breiten angebaut und produziert werden, um so einen kleinen Blick auf die Produktionswege scheinbar billiger Produkte zu erhalten.

Besondere Beachtung verdienen die zahlreichen regionalen Initiativen und Eine-Welt-Läden. Auch in Halle gibt es einen Eine-Welt-Laden, wo garantiert fair gehandelte Produkte erworben werden können: www.weltladenhalle.de/
Doch Fairtrade ist auch im Alltag von Studierenden möglich. Die Hochschule Merseburg (FH) besitzt ihren eigenen Eine-Welt-Laden mit Stand in der Mensa: www.hs-merseburg.de/~einewelt/
In den Mensen des Studentenwerks Halle kann man immerhin schon fair gehandelten Kaffee und zumeist Schokolade u.ä. erwerben.

Das Gespräch am Frühstückstisch neigt sich langsam dem Ende. Das Essen und der Kaffee haben natürlich trotzdem geschmeckt, aber das Vorhaben mehr auf Fairtrade Produkte zu achten, bleibt bestehen.



Quellen / Weitere Informationen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,728263,00.html
http://www.freitag.de/wochenthema/0946-klimagipfel-kopenhagen-konsum-hartmann
http://www.transfair.org
http://www.forum-fairer-handel.de
http://www.weltladenhalle.de/
http://www.hs-merseburg.de/~einewelt/

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bericht Prof. Varwick / Naumann-Stiftung VA zur "Identitären Bewegung" (18.10.2017)

Maulkorb für die Methode Wagenknecht - Zurück zur Basisdemokratie

Fundstück zur 38. Kalenderwoche: Umweltzone Halle - eine von vielen Maßnahmen