Gesprächsrunde „Zugangschancen und –probleme von MigrantInnen an die Uni“

(ag) Am vergangenen Donnerstag fand der zweite Teil der Veranstaltungsreihe „Bildung für alle und zwar umsonst! – Ausgrenzung und Diskriminierung von MigrantInnen im Bildungsbereich“ statt.
Diesmal hatten die GHG und der SDS zu einer Gesprächsrunde zum Thema „Zugangschancen und –probleme von MigrantInnen an die Uni“ eingeladen. Als ReferentInnen waren Dr. Karamba Diaby, Stefanie Geyer und Umair Qureshi geladen, moderiert wurde die Diskussion von Nadja Hagen von Radio Corax.
Im ersten Teil der Gesprächsrunde wurde über die bestehenden Probleme der Studierenden mit Migrationshintergrund diskutiert.
Dr. Diaby zu folge hängt die Wahl des Studienortes von internationalen Studierenden stark von der finanziellen
Situation der Eltern ab, da ein Studium im Ausland sehr kostenintensiv sein kann. Diaby, der selbst in Halle studierte und promovierte, ist Vorsitzender des Ausländerbeirates der Stadt Halle und sitzt für die SPD im Stadtrat.
Er sieht Probleme auch bei den Zugangsvoraussetzungen, da oft das ausländische Abitur an deutschen Unis nicht anerkannt wird. Vielmals fehlen Informationen über die Zugangsvoraussetzungen auch völlig, was es den ausländischen Studierenden sehr schwer macht, überhaupt ein Studium aufzunehmen.
Weiterhin muss eine finanzielle Sicherheit von ca. 8000€ vorgewiesen werden, wenn mensch ein Visum beantragen will. Dazu eine Krankenversicherung, die für Ausländer oft mehr kostet, als für Inländer.
Sind die zahlreichen Zugangsschwierigkeiten erst einmal überwunden, beginnen die Probleme im eigentlichen Studienalltag.
Diese kennt Umair Qureshi nur zu gut. Der Student der Politikwissenschaft ist gebürtiger Pakistani und wissenschaftliche Hilfskraft im Protektorat für Studium, Lehre, Weiterbildung und internationale Beziehungen. Er war auch lange Zeit im AK Internationale Studierende  des StuRa aktiv. Er bemängelt vor allem, dass die Vorlesungen fast ausschließlich auf Deutsch gehalten werden. Durch die Umstellung auf das BA/MA-System hat sich die Lage schon ein wenig gebessert, doch noch immer gibt es viel zu wenig englischsprachige Veranstaltungen.
Was ihm auch fehlt, ist eine bessere Betreuung der ausländischen Studierenden. Es gibt kaum Angebote für sie, auch außerhalb der Studienprogramme wie Erasmus, Land und Leute kennen zulernen. Es gibt zwar Konzepte eine bessere Betreuung in Halle zu gewährleisten, doch scheitert diese regelmäßig an der Ausländerbehörde, da diese die finanzielle Unterstützung versagt.
Die fehlende Willkommenskultur beklagt auch Stefanie Geyer. Sie ist Referentin für allgemeine Bildung und Hochschulpolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und war früher Vorstandsmitglied des „freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften“. Sie fordert, dass Begegnungsräume für die Studierenden geschaffen werden müssen.
Ein weiteres Problem ist für sie auch die Finanzierung des Studiums. Es gibt zwar einen Posten von 500 Millionen Euro im deutschen Haushalt um die internationalen Studierenden  z.B. mit Stipendien zu unterstützen, jedoch wurde dieser im letzten Jahr um ca. 5% gekürzt.
Schwierig ist die Situation besonders für so genannte „Free-Mover“, also ausländische Studierende, die ihren Studienaufenthalt in Deutschland selbstständig organisieren und finanzieren. Für sie ist es oft schwer, in ein Stipendienprogramm aufgenommen zu werden.
Doch nicht nur Problem sollten an diesem Abend besprochen werden, auch Lösungsansätze sollten den ZuhörerInnen vorgestellt werden.
Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung finden hallenser Studierende z.B. beim StuRa, der zinslose Darlehen vergeben kann. Jedoch ist das Budget viel zu klein, um alle zu unterstützen, die Hilfe benötigen.
Als Lösungsansatz auf Bundesebene forderte Stefanie Geyer die Studiengebühren abzuschaffen, um allen einen gleichberechtigten Zugang zu einem Hochschulstudium zu gewährleisten.
Für Dr. Diaby müssen auf Landesebene Verknüpfungen von sozialen Netzwerken erfolgen, um so handlungsfähiger den Problemen begegnen zu können.
Aber auch vor Ort in Halle kann etwas getan werden, um die Situation der Studierenden mit einem Migrationshintergrund zu verbessern. So soll der AK Internationale Studierende wiederbelebt werden, um sich der Probleme an der MLU anzunehmen.
Der SDS MLU unterstützt diese Bestrebungen und fordert eine gleichberechtigte Behandlung aller Studierenden, egal welches Land sie ihre Heimat nennen.

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