Fundstück zur 38. Kalenderwoche: Umweltzone Halle - eine von vielen Maßnahmen

Zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Luft existieren seit dem 01.09.2011 auch in Magdeburg‘s und Halle‘s Innenstadt sogenannte Umweltzonen.
Eine Umweltzone ist ein in einer Stadt abgestecktes und beschildertes Gebiet, in welchem Kraftfahrzeuge (Pkw, Lkw, Busse) nur mit entsprechender grüner (oder anfangs gelber) Plakette fahren dürfen. Die Plaketten sind Indikator für den Feinstaubausstoß des Fahrzeuges. Durch die Maßnahme sollen vom motorisierten Straßenverkehr ausgehende ökologische und gesundheitliche Belastungen verringert werden.



Maßnahmen, wie eine Umweltzone, rufen schnell auch  Kritik auf den Plan. So meldeten sich vor allem die Automobil-Lobby und -Verbände (wie der ADAC) zu Wort, die vordergründig den Verkehrsfluss und nicht die Feinstaubbelastung verbessern wollen. Auf diese einseitige Sichtweise sind auch die meisten Mainstream-Medien aufgesprungen, wodurch Umweltzonen in der Öffentlichkeit oft keinen guten Ruf genießen. Auch die Stadt Halle, welche als Behörde mit der Ausgestaltung der Umweltzone beauftragt war, erklärte frühzeitig ihren Widerstand gegen die Maßnahme. Umweltverbände wie der BUND, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Deutsche Umwelthilfe forderten jedoch bereits im Mai die Stadtoberen auf, ihrer Verantwortung nachzugehen. Diese gaben schließlich nach, so dass nun auch eine Umweltzone in Halle existiert.

Die Sinnhaftigkeit der Umweltzonen ist indes wissenschaftlich abgesichert. Die Leiterin des Verkehrsbereiches der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Dorothee Saar, erläutert dazu, dass zum Beispiel in Berlin nach der Einführung der 2. Stufe der Umweltzone (Einfahren nur noch mit grüner Plakette) eine Reduzierung von Dieselruß um knapp 60 Prozent gemessen worden ist (1). Die Deutsche Umwelthilfe stellt aber auch klar, im Osten der Republik gäbe es noch erheblichen Nachholbedarf an Umweltzonen.


Umweltzone in Halle - kleiner geht's kaum!

Ob eine Umweltzone wirkliche Wirkung entfalten kann, hängt vor allem an der Umsetzung dieser. In Halle gibt es genau hier Grund zur Kritik: Da die Hallenser Umweltzone im Gegensatz zur Leipziger nur im Innenstadt-Bereich Gültigkeit besitzt, ist vor allem die Ausdehnung der Zone wichtig. Zudem sollten effektive Methoden gefunden werden, die Fahrverbote für „schmutzige“ Fahrzeuge auch durchzusetzen. 
Bei der derzeitigen Umsetzung bekommen so manche Fahrzeuge - wie der Smart For Two Diesel - nur eine gelbe Plakette, auch wenn der Verbrauch bei unter 3 Liter liegt. Hier eröffnen sich in der Umsetzung noch zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten.
Um eine Umweltzone konsequent durchzusetzen, benötigt es noch eine Vielzahl weiterer Maßnahmen: Förderung und Ausbau des Fahrradverkehrs, Attraktivitätserhöhung zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (zB. Durch Jobtickets für Mitarbeiter der Stadtverwaltung) oder Unterstützung von CarSharing und Elektro-Mobilität. 
Doch braucht es darüber hinaus weitere Schritte zur Feinstaubverringerung - seien es geeignetere Vorgaben für Industriebetriebe oder die Beschränkung der Abfallverbrennung. Denn die Umweltzone ist - wie auch in der Kurzinformation des Umweltbundesamtes zum Thema zu erwähnt - nur eine unter vielen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Städten und Ballungsräumen.

(1) http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2677&cHash=a9a22b3920

Quellen:

Kommentare

  1. Durch die Umweltzone verlieren nicht nur viele Geschäfte Umsatz durch mich sondern ich habe mir auch andere Dienstleister außerhalb der Umweltzone gesucht. Da für mein Auto eine Nachrüstung nicht mehr rentabel wäre. Ich kenne auch andere Personen die die Umweltzone versuchen zu meiden, da es nicht immer möglich ist auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Aber über die wirtschaftlichen Einbußen habe ich noch nichts gelesen....

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