„Fridays for Future“-Demo

Die laufenden Denunziationen der Schüler*innenstreiks für das Klima sind eine Beleidigung für eine politisch aktive Jugend in Halle. Diejenigen, die den Vorwurf des Schulschwänzens jetzt inflationär wiederholen und den Jugendlichen unterstellen, sich von Medienphänomenen treiben zu lassen, zeigen nur selbst, dass sie es mit demokratischen Prozessen nicht allzu ernst nehmen. Schließlich ist kaum etwas dagegen einzuwenden, wenn Schüler*innen selbstbestimmt lernen, ihre Meinung auf die Straße tragen und sich für ihre Rechte stark machen.

Der Wunsch sie darin zu beschränken, zeigt vor allem das autoritäre Bedürfnis, sie als politische Gegner*innen in die Schranken zu weisen und ihnen ihren vermeintlichen Platz in der Gesellschaft – d.h. in einem Klassenzimmer und nirgends sonst – zuzuweisen. Bei dieser Kampagne ist natürlich auch die CDU-nahe Schülerunion Sachsen-Anhalts vorne mit dabei, die einen Streik am Wochenende für „glaubwürdiger“ halten würde. Wir widersprechen nicht nur diesen moralistischen Vorhaltungen, sondern möchten die Schüler*innen darüber hinaus in der Richtigkeit ihres Handelns bestärken bzw. uns selbst daran beteiligen. Denn es ist höchste Zeit für eine bessere und radikalere Klimapolitik auf die Straße zu gehen. Die bisherige Politik bemüht sich zwar um ein grünes Image, ist aber vor allem von nationaler Standortkonkurrenz geprägt. So feiert sich die BRD immer noch als Vorreiterin erneuerbarer Energien, verfehlt aber die eigenen Klimaziele und besteht auf der Nutzung fossiler Brennstoffe bis 2038 und darüber hinaus.

Zynischerweise begründen gerade Sozialdemokrat*innen, die beim Ausbluten von Kommunen die Zukunft der Jugend in Geiselhaft für ihre Schuldenpolitik nehmen, diese inkonsequente Politik gerne damit, dass es ansonsten zu sozialen Problemen kommen würde, vergessen aber dabei, dass auch diese Situation – ähnlich wie der Klimawandel – von Menschen gemacht ist. Statt also legitime Interessen gegeneinander auszuspielen, könnte man hier endlich tätig werden und in die ehemaligen Braunkohleregionen nicht nur investieren, sondern vor allem die Ansprüche und Rechte der Arbeiter*innen stärken. 

Diese Forderungen sind in der Politik kaum zu finden und schon gar nicht Teil der Agenda der Regierungsparteien. Sie müssen Teil der Proteste sein, die nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar notwendig sind. Darum schließen wir uns freitags auf der Straße an!

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