Ohne Engagement keine Mitbestimmung

Der StuRa ist kein bloßes Servicegremium, sondern Ausdruck eines demokratischen Prinzips: Wer von Entscheidungen betroffen ist, muss an ihnen beteiligt sein. Studentische Selbstverwaltung ist Teil der akademischen Selbstverwaltung - neben Professor*innen, wissenschaftlichem Personal und Verwaltung. Doch formale Beteiligung bedeutet nicht automatisch reale Macht. Zwischen Mitbestimmung auf dem Papier und tatsächlicher Entscheidungsmacht klafft oft eine Lücke.

Die Hochschule ist kein neutraler Raum. Sie ist eingebettet in gesellschaftliche Macht- und Produktionsverhältnisse. Studierende spüren das jeden Tag: Leistungsdruck, Prüfungszwang, soziale Selektion, kaputt gesparte Strukturen, Ökonomisierung von Bildung und immer mehr Prekarität im Wissenschaftssystem. Und gleichzeitig sind die Möglichkeiten, daran wirklich etwas zu verändern, ziemlich begrenzt.

Genau da kommt der StuRa ins Spiel. Er ist der Versuch, diese Schieflage zumindest ein Stück weit zu verschieben - durch Organisierung und durch politische Vertretung. Das passiert ganz konkret: Sozialberatung, Notlagenhilfe, Semesterticket, Unterstützung im Studienalltag, aber auch hochschulpolitische Kämpfe um Finanzierung, Zugang, Studienbedingungen und gegen die ständige Verschlechterung der Situation an den Hochschulen. Das ist keine „Nebenarbeit“, sondern genau der Punkt, an dem Alltag und Politik direkt zusammenkommen. Und klar ist auch: Ohne das Engagement im StuRa würden genau diese wenigen vorhandenen Mitbestimmungs- und Handlungsspielräume Stück für Stück verschwinden.

Aus sozialistischer Perspektive ist klar: Ein bisschen Mitbestimmung im bestehenden System reicht nicht aus. Demokratisierung heißt nicht nur „mitreden dürfen“, sondern echte Macht umverteilen. Die Hochschulen laufen heute nach Logiken von Konkurrenz,  sozialer Auslese und zunehmender Entpolitisierung. Genau dagegen steht studentische Selbstverwaltung - zumindest dann, wenn man sie ernst nimmt.

Die Bedeutung dieser demokratischen Strukturen abzusprechen oder sie als irrelevant herunterzuspielen, heißt, den Kern linker und sozialistischer Politik zu verfehlen: die konsequente Ausweitung von Demokratie und die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Machtverhältnissen. Wer das ignoriert, kann sich nur schwer glaubwürdig als sozialistisch oder links bezeichnen.

Der StuRa ist kein Aushängeschild und kein nice-to-have. Er ist ein umkämpfter Raum - zwischen Verwaltung und Basis, zwischen Anpassung und Widerstand, zwischen Verwaltung des Bestehenden und der Möglichkeit, es zu verändern. Demokratie endet nicht an der Hörsaaltür. Sie fängt genau da erst an.

Umso erfreulicher ist es, dass die von uns unterstützte Offene Linke Liste bei den Hochschulwahlen zum 37. StuRa zehn Sitze erringen konnte und künftig einen der beiden Vorsitzenden sowie einen der beiden Sprecher*innenposten für Soziales besetzt. Das zeigt: Studentische Selbstverwaltung lebt von Beteiligung und Organisierung. Wer demokratische Handlungsspielräume nutzt, kann sie verteidigen und ausbauen. Wer sie aufgibt, überlässt sie anderen. Mitbestimmung fällt nicht vom Himmel - sie muss organisiert und erkämpft werden.


 

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