Fundstück der 27. Kalenderwoche

(sw) Ein 42-jähriger Deutscher schoss am 05.07. in Hannover nach einem Streit zwei Italiener an. Der eine starb noch am Tatort, der andere erlag seinen schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus. Der Täter flüchtete nach Mallorca und stellte sich nach zweitägiger europaweiter Fahndung den spanischen Behörden.
Auslöser des Streits war die Anzahl der Fußballweltmeisterschaftstitel der Italiener. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft ihm laut Süddeutscher Zeitung Tötung aus Heimtücke und niederen Beweggründen vor. Zudem soll er aus Mordlust gehandelt haben, weil er seine beiden Opfer sterben sehen wollte.
Diese verabscheuungswürdige Reaktion des 42-jährigen Frührentners zeigt, wie sehr Menschen von (konstruierten) nationalen Symbolen und Zeichen beeinflusst werden und wie diese wiederum eine übersteigerte Identität schaffen. Neben diesem Vorfall gibt es noch weitere Begebenheiten, in denen nationale Konstrukte Diskussionen hervorbringen und in der bürgerlichen Presse für Verwunderung und Unverständnis sorgen. So etwa die riesige Deutschlandflagge und das Verbot einer Kneipe Schwarz-Rot-Gold zu tragen; beides in Berlin-Neukölln.
Die Fußball-WM und das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft sind offenbar Anlass genug, um wieder einen deutschen Patriotismus und Nationalismus aufleben zu lassen, dem wir als SDS MLU kritisch gegenüber stehen.
Jede Person, die sich mit nationalen Symbolen schmückt, egal welchen Landes, sollte sich fragen, was sie dort trägt, welche Bedeutung dahinter steckt und ob es überhaupt Sinn macht, die Landesfarben im Gesicht oder auf der Brust zu tragen.
Eine Fußballmannschaft für ihre tolle sportliche Leistung zu bejubeln ist die eine Sache, doch eine Andere, wenn sich daraus Feindbilder ableiten und Gegensätze geschaffen werden, die so gar nicht existieren. Zudem sollte sich jede/r fragen, ob sie/er auch bei den Fußball-WM-Titeln der Frauen 2003 und 2007 so sehr gefeiert und die nationale Flagge geschwenkt hat, wie bei den "kleinen" Erfolgen der Männern die letzten Jahre.

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