Fundstück der 30. Kalenderwoche

(sw) Die Niederlande haben am vergangenen Sonntag (01.08.) begonnen, ihre fast 2.000 mann- und fraustarke Truppe aus Afghanistan abzuziehen. 2011 ist kein/e niederländischer Truppenangehörige/r mehr am ISAF-Einsatz in Afghanistan beteiligt.
Die Regierung in Den Haag hat sich seit August 2006 an dem Kriegseinsatz beteiligt und ist im Februar dieses Jahres auseinandergebrochen, weil der geplante Abzug der Truppen von den Christdemokraten gekippt werden sollte. Der sozialdemokratische Koalitionspartner hat daraufhin die Regierungszusammenarbeit beendet. Zudem haben sich besonders die NATO-Partner dafür eingesetzt, den Abzug auf August 2011 zu verschieben, was jedoch zum Glück nicht geschah.
Während des vierjährigen Einsatzes in der Provinz Urusgan sind nach Angaben des niederländischen Außenministeriums 24 SoldatInnen getötet und etwa 150 verletzt worden. Trotz dieser Bilanz, hat sich der niederländische Oberkommandierende positiv gegenüber dem Kriegseinsatz geäußert. Sie hätten "spürbare Ergebnisse erreicht, auf die die Niederländer stolz sein können." Ob dazu die etwa 90 zivilen Opfer zählen, die von den niederländerischen Truppen getötet wurden, bleibt dahingestellt; geschweige den ob diese Zahl nicht vielleicht um einiges höher liegt. Oder sollen die NiderländerInnen stolz darauf sein, dass sie in vier Jahren Militäreinsatz rund 1,4 Milliarden Euro ausgegeben haben, aber nur etwa 620 Millionen an Entwicklungshilfe?!
Ein Kommentator in der Online-Ausgabe der Welt (02.08.) empfiehlt deshalb eine neue Strategie: "Es gilt der Satz: Kannst du den Feind nicht besiegen, kauf ihn dir." Mensch weiß demnach um die Sinnlosigkeit des Krieges, aber anstatt sich einzugestehen, dass der Einsatz ein großer Fehler war, glaubt mensch mit Geld mehr zu bewirken und vor allem das Land und die Menschen zu befrieden.
Der SDS MLU begrüßt nicht nur den Abzug der Niederlande aus Afghanistan oder den 2011 der KanadierInnen, sondern wir befürworten auch weiterhin eine vollständige und kritische Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse der beteiligten Staaten. Wenn mensch bedenkt, wie viele "Geheimdokumente" bei wikileaks online gestellt worden, bekommt mensch nur ein weiteres Puzzleteil der Greueltaten seit 2001 zu Gesicht. Der ISAF-Kriegseinsatz, der nicht "Enduring Freedom" sondern "Enduring War" heißen sollte, schließlich dauert er nun fast genauso lange an wie Erster und Zweiter Weltkrieg zusammen, ist vollständig abzulehnen und die deutsche Kriegsbeteiligung muss beendet werden.
Mensch sollte anfangen friedliche Lösungen für die Zukunft Afghanistans umzusetzen.

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