Brie: "Links" ist kein monolithischer Block

(sw) Am 10.11. hat Prof. Michael Brie im Rahmen der Veranstaltung "Was ist heute links?" der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt festgehalten, dass sich "links" sich nicht auf einen Standpunkt reduzieren lässt und sich manchmal gar nicht so einfach von anderen politischen Richtungen unterscheiden lässt. So zeigte er auf,
dass bei sozialen Fragen die Linke wie die Rechte gleiche Probleme anspricht; jedoch, und das ist etscheidend, mit anderen Lösungsansätzen. So wollen beide Richtungen Hartz IV abschaffen, doch gleichzeitig will die NPD die angeblich "ausländischen Sozialschmarotzer" ausweisen und das Sozialsystem nur noch den Deutschen zur Verfügung stellen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wer [i]die [/i]Deutschen sind und ob diese Kategorie überhaupt noch Sinn macht bzw. je Sinn gemacht hat.
Als Grundelemente linken Denkens nannte Brie "Freiheit, Gleichheit und Solidarität", wobei letztgenanntes die "Wurzel der beiden ersten ist". Einen Gegensatz zwischen entweder Freiheit oder Gleichheit sei der falsche Weg. Heutzutage sieht er vier Krisen: "Die Demokratiekrise, Reproduktionskrise, die Krise der sozialen Integration und Sinnkrise und schließlich die Sicherheitskrise". Aus diesen Erscheinungen sollte die Linke (nicht nur die gleichnamige Partei) ihre Schlüsse ziehen und Alternativen präsentieren. Das heißt für Brie konkret, dass der dominate Finanzmarktkapitalismus abgeschafft werden muss und an die Stelle ein öffentlich regulierter Bankensektor entstehen muss. Zweitens muss mensch sich vom Wachstumsparadigma verabschieden und stattdessen Entwicklung fördern, um bspw. eine ökologische Energiewende herbeizuführen. Dazu gehöre aber auch, so Brie, eine gerechte Umverteilung von oben nach unten.
Brie schloss seinen 60-minütigen Vortrag mit folgenden drei Standpunkten, die für Linke zentral sein sollten:
"Links heißt, die Gesellschaft von unten zu denken."
"Links heißt, Partizipation an der Demokratie."
"Links heißt, dass Krieg kein Mittel der Politik ist."

Anschließend diskutierten die etwa 70 Teilnehmer/innen mit Prof. Brie über mögliche linke Bündnisse, die Macht der Wirtschaft gegenüber den Arbeitnehmer/innen und wie postkapitalistische Zukunft aussehen könnte.

Von Brie angemerkte oder empfohlene Literatur zum Thema:
Haug, Frigga: "Die Vier in Eins-Perspektive" unter: http://www.vier-in-einem.de/
und
Matuschek, Krähnke, Kleemann, Ernst 2008. Politische Praxen und Orientierungen in linksaffinen Alltagsmilieus. Unter: http://www.rosalux.de/themen/gesellschaftsanalyse/publikationen/publikation/datum/1970/01/01/politische-praxen-und-orientierungen-in-linksaffinen-alltagsmilieus/thema/sprachen/gesellschaftstheorie/priorisierung-regional.html.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bericht Prof. Varwick / Naumann-Stiftung VA zur "Identitären Bewegung" (18.10.2017)

Maulkorb für die Methode Wagenknecht - Zurück zur Basisdemokratie

Fundstück zur 38. Kalenderwoche: Umweltzone Halle - eine von vielen Maßnahmen