„Die Voraussetzungen für Veränderungen waren noch nie so gut!“

(ag)Dies betonte Andreas Keller am vergangenen Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung zum Templiner Manifest.
Der Vorstandsbereich Hochschule/Forschung/Lehrerbildung der GEW Sachsen-Anhalt und die GEW Studierendengruppe Halle-Merseburg hatten unter dem Titel
„Traumjob Wissenschaft?“ zu einer Diskussionsveranstaltung über die Strukturdefizite der Personalstruktur und Karierewege an Universitäten eingeladen.
Als Gastreferent sprach Andreas Keller, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW, aus Frankfurt/Main.
Die meisten Universitäten haben heute den Anspruch, dass ihre Forschung und Lehre exzellent sein müssen.
Leistungsorientierte Mittelvergabe und Rahmenzielvereinbarungen zwingen die Unis, immer höher werdende Erwartungen zu erfüllen und immer größere Ansprüche an ihre WissenschaftlerInnen zu stellen.
Doch divergierend zu steigenden Leistungsdruck werden die Arbeitsbedingungen und beruflichen Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses immer schlechter.
Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der befristeten Arbeitstellen stetig angestiegen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse wurden verschärft.
Doch nicht nur hier liegen erhebliche Strukturdefizite.
Auch der eindimensionale Zuschnitt der Berufsbilder auf eine Professur, wurde von Keller kritisiert. Durch so genannte „Tenure Tracks“, das heißt, nach einer Bewährungsphase die Chance auf eine Stelle auf Lebenszeit, unabhängig von einer Berufung auf eine Professur an der Uni, zu bekommen, sollen alternative Karierewege geschaffen werden.
Weiterhin ist die Wissenschaft kaum als „normaler“ Beruf ausführbar, da gerade durch die steigenden Anforderungen familienfreundliche Arbeitszeiten nicht realisierbar sind.
Dies alles bildet das Dilemma der Generation Exzellenz, so Keller, die Erwartung von exzellenten Arbeitsergebnissen auf der einen Seite, die schlechten Arbeitsbedingungen und Perspektiven auf der anderen Seite.
Hier setzt das Templiner Manifest zu einer Reform der Missstände an.
Das Templiner Manifest wurde auf der 4. GEW Wissenschaftskonferenz am vierten September diesen Jahres verabschiedet. Bisher haben es über 3600 Menschen unterschrieben.
In den 10 Punkten sind neben Forderungen zur Beseitigung der Strukturdefizite, auch die Durchsetzung eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses und eine bessere Partizipation aller Beschäftigten in Hochschulgremien niedergelegt.
Dies soll durchgesetzt werden, in dem auf Landesebene Hochschulgesetze reformiert werden, um so Möglichkeiten für eine Verbesserung der Arbeitslage des wissenschaftlichen Nachwuchses rechtlich zu verankern. An den Hochschulen sollen durch Personal- und Betriebsräte Dienst- und Betriebsvereinbarungen ausgehandelt werden. Weiterhin sollen Gremien der Universität, wie der Senat und die Fakultätsräte, die Missstände konkret thematisieren und so auf die Agenda der Universitätsleitung setzen.
Keller sieht die Voraussetzungen für Veränderungen als günstig an, da das Bewusstsein für die problematischen Verhältnisse der jungen WissenschaftlerInnen bei allen im Bundestag vertretenden Parteien vorhanden sei. Auch werde sich die Lage durch den drohenden Fachkräftemangel in den nächsten Jahren weiter zuspitzen.
Ansatzpunkte für eine Reform der Strukturen sieht Keller aber auch bei den Betroffenen selbst. „ Das Selbstbewusstsein der Generation Exzellenz steigt.“, sagte er zum Abschluss des Abends.

Templiner Manifest:  http://www.gew.de/Templiner_Manifest.html

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