Fundstück der 14. Kalenderwoche

(cr) Die Bundeswehr soll in ihrer Truppenstärke verkleinert werden und benötigt dafür dringend neues "Menschenmaterial", um über die deutschen Grundtugenden Pflicht, Gehorsam und Ehre professionelle in Auslandsmissionen einsetzbare SoldatInnen zu formen. Ansatzpunkte sieht die Bundeswehr dabei vor allem an Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen. Dabei kann sie sich der Hilfe eines Professors für Personalmanagement an der Universität Halle zur Nachwuchsrekrutierung sicher sein.

Wir möchten euch darum den Beitrag "Dramatische Nachwuchslage (II)" von www.german-foreign-policy.com zu diesem Geschehen an der Martin-Luther-Universität in Halle nicht vorenthalten. Vor dem Hintergrund der auch in Halle verbreiteten zivil-militärischen Zusammenarbeit ist es an der Zeit, die Themen Antimilitarismus und Rüstungsforschung endlich auf die universitäre Agenda zu setzen.

Die Veranstaltungsreihe "Hochschule-Politik-Gesellschaft" des SDS in Zusammenarbeit mit der GEW Hochschulgruppe an der Martin-Luther-Universität und dem Wahlkreisbüro Hendrik Lange, MdL (DIE LINKE) wird versuchen die intensiveren Tendenzen zu einer "Militarisierung der Gesellschaft" zu problematisieren und Strategien eines antimilitaristischen Konsens zu entwickeln. 

Den Anfang macht Peer Heinelt, einer der Autoren von german-foreign-policy.com, am 13.April ab 18.00 Uhr im Hörsaal E (Melanchthonianum) zum Thema "Krieg und Ökonomie – Über die Ursachen gesellschaftlicher Militarisierung". Nachfolgend der Veranstaltungstext:

Der Begriff „Militarisierung“ ist hierzulande weitgehend aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden; der Begriff „zivil-militärische Zusammenarbeit“ hingegen hat Hochkonjunktur. Dabei lassen sich beide Begriffe problemlos zur Deckung bringen, bezeichnen sie doch die Indienstnahme ziviler Experten für militärische Zwecke und die Einflussnahme des Militärs auf zivile Institutionen. Der staatliche Katastrophenschutz, die sogenannte Entwicklungszusammenarbeit und das Gesundheitswesen können in dieser Hinsicht durchaus als Exerzierfelder betrachtet werden: An allen Übungen, bei denen das staatliche „Krisenmanagement“ im Fall von inländischen Terroranschlägen oder Naturkatastrophen geprobt wird, ist die Bundeswehr maßgeblich beteiligt; zivile und militärische Krankenhäuser bilden „Wirkverbünde“ zur Versorgung von durch Kriegseinwirkung Schwerverletzten und Traumatisierten; „Entwicklungshilfe“ gilt der politisch-militärischen Führung längst als Pendant erfolgreicher Aufstandsbekämpfung. Auch an zahlreichen deutschen Hochschulen wird der Bundeswehr auf vielfältige Art und Weise zugearbeitet, während die Streitkräfte ihrerseits Studierenden und Dozierenden Expertise und praktische Unterstützung zukommen lassen. Dies gilt nicht zuletzt für die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Im Rahmen des Vortrags soll den Ursachen des skizzierten, mehr oder weniger schleichenden Militarisierungsprozesses nachgespürt werden. Entsprechende Hinweise geben sowohl die 1992 und 2003 vom Bundesverteidigungsministerium verkündeten „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ als auch das 2006 von der Bundesregierung verabschiedete „Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“. Hier gelten die bundesrepublikanischen Streitkräfte als „Instrument deutscher Sicherheitspolitik“, das den ungehinderten „Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen“ weltweit sicherstellen respektive durchsetzen soll. Einen weiteren Hinweis gibt Friedbert Pflüger, Mitglied im Bundesvorstand der CDU und Professor am Department of War Studies des Londoner King’s College: In einem 2010 erschienenen Aufsatz für die Zeitschrift „Internationale Politik“ beschwört er eine „neue Ära des Energieimperialismus“.

Dr. Peer Heinelt ist Politikwissenschaftler und lebt als freier Autor in Frankfurt am Main. Unter anderem auf den Seiten des Online-Nachrichtenportals german-foreign-policy.com und in der Zeitschrift „Konkret“ beschäftigt er sich regelmäßig mit militärpolitischen Fragen. Weitere Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kommunikations- und Geschichtspolitik.

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weitere Veranstaltungen der H-P-G-Reihe:

Workshop Rüstungsforschung an Hochschulen und Zivilklausel mit Reiner Braun 

Datum:       12. Mai 2011
Zeit:           18.00 Uhr
Ort:            HS E (Melanchthonianum)

Vortrag Bundeswehr an Schulen mit Michael Schulze von Glaßer

Datum:       8. Juni 2011
Zeit:           18.00 Uhr
Ort:            HS E (Melanchthonianum)

Abschlussveranstaltung Militarisierung der Gesellschaft mit Tobias Pflüger


Datum:       22. Juni 2011
Zeit:           18.00 Uhr
Ort:            HS E (Melanchthonianum)

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