Fundstück der 22. Kalenderwoche

(cr) Nachdem die Hochschulwahlen schon wieder knapp 2 Wochen vorbei sind und die Offene Linke Liste in der nächsten Legislatur u.a. im StuRa vertreten sein wird, gibt es auch jetzt schon genügend Handlungsbedarf auf hochschulpolitischem Terrain an der MLU. Zu nennen sind hierbei die kritische Situation am Institut für Soziologie, eine neue Richtlinie/Verordnung zur Prüfungsunfähigkeit bei Studierenden und die im wahrsten Sinne des Wortes „Baustelle“ des Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrums (GSZ).


Zur kritischen Situation am Institut für Soziologie veröffentlichte der Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I letzte Woche einen Offenen Brief. Dieser beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten der adäquaten Sicherstellung der Lehre aufgrund der seit dem Wintersemester 2010/11 grassierenden hohen Überlast, der sich daran anschließenden hohen Arbeitsbelastung von DozentInnen und StudentInnen, sowie den Querelen mit der und um die Wiederholung einer Modul-Klausur. Alles in allem eine unbefriedigende Situation für die Studierenden und das Lehrpersonal, welche schnellstmöglich im Sinne aller Beteiligten gelöst werden sollte.

Prüfungsunfähig?

Der zweite Punkt für eine hochschulpolitische Intervention gestaltet sich im Rahmen eines neuen Formulars zur Feststellung der Prüfungsunfähigkeit von Studierenden. Bisher war es vonnöten, für den Nichtantritt einer angemeldeten Prüfung bei Krankheit des Studierenden dem Prüfungsausschuss einen vom Arzt ausgestellten Krankenschein vorzulegen. Der Nachweis der ärztlich attestierten Krankheit berechtigte den Studierenden zur Wiederholung eben jener Prüfung. Damit soll aber jetzt Schluss sein: neue Prüfungsunfähigkeitsformulare können den Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden, um die genaue Krankheitsursache bzw. Beeinträchtigung explizit zu benennen und vor allem um festzustellen, ob die Krankheit „auch wirklich“ eine Prüfungsunfähigkeit für schriftliche und/oder mündliche Prüfungen darstellt! Damit soll der (von den verantwortlichen Stellen an der Universität entdeckten) vermehrten Nutzung des Krankheitsformulars durch Studierende bei Prüfungen entgegengewirkt werden – Unterstellung der Täuschung mit eingeschlossen. Zurzeit findet das Formular bereits in den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften und Geschichte seine Anwendung, weitere natürlich nicht ausgeschlossen. Insgesamt überwiegen, trotz dementsprechender Handreichungen zum Formular bei den WiWis, die Bedenken gegenüber dieser Praxis. Nicht zu Unrecht: wird doch im Gegensatz zu normalen Arbeitsverhältnissen der/die StudentIn nicht nur benachteiligt, sondern auch unter Generalverdacht gestellt. Eine Entwicklung ist aber schon jetzt zu beobachten: mit diesem Formular konfrontierte ÄrztInnen lehnen es zum Großteil ab von ihrer Schweigepflicht entbunden zu werden und werfen es dort hin, wo es hingehört – nämlich in den Müll.

Was lange währt wird endlich gut?

In einer Mitteilung des StuRa der MLU Halle heisst es, dass „ein geistes- und sozialwissenschaftliches Zentrum in Halle schon seit längerer Zeit im Gespräch [ist] und nach langen Debatten es nun ganz schnell gehen [soll]“. Das war am 3. Juni 2009. Zwei Jahre später könnte diese Überschrift wieder benutzt werden, wurden die Planungen für das GSZ doch letzte Woche endlich dem öffentlichen Publikum vorgestellt. Aus studentischer Sicht ist generell die Verzögerung des Planungs- und Baubeginns kritisch zu sehen, doch wäre dies das kleinere Übel: vom vormalig geplanten Budget und den Planungen für Gebäude, Lehr- und Arbeitsräume sowie studentische Freiräume ist wenig übrig geblieben. Bezeichnend ist dabei die „Kürzung“ des Bibliotheksgebäudes um eine Etage, ganz zu schweigen von den immer noch schwelenden Konflikten um den Denkmalschutz der ehemaligen Gebäude der Landwirtschaftlichen Fakultät. Weiterhin stehen die fehlenden Warteräume für Sprechstunden, fehlender Platz für die Organisation der studentischen Selbstverwaltung, die generell zu klein konzipierte Bibliothek, die eng bemessenen und fehlenden Räume für Lehre und Forschung, sowie das nicht unbedingt familienfreundliche Umfeld im Fokus der Kritik. Offen ist weiterhin, ob das GSZ im Endeffekt wirklich alle Institute der Philosophischen Fakultät I zentral beherbergen wird oder ob einzelne Institute (auch aufgrund der knappen Bemessung des GSZ) erhalten bleiben. Eine positive Tatsache im Zuge des GSZ-Neubau soll nicht verschwiegen werden: die verkehrspolitische Neukonzipierung des Steintor und hoffentlich dessen Umgestaltung zu einem fahrrad- und fußgänger-freundlichen Areal.

Weiterführende Links:

http://wcms.uzi.uni-halle.de/download.p ... em=2489348 - Offener Brief des FSR Phil Fak I zur kritischen Situation am Institut für Soziologie

http://www.stura.uni-halle.de/index.php ... neubau-gsz - Mitteilung „Neubau GSZ rückt näher“ des StuRa zum GSZ vom 3.Juni 2009

http://www.histdata.uni-halle.de/texte/ ... igkeit.pdf - Prüfungsunfähigkeitsformular im Fachbereich Geschichte

http://www2.hu-berlin.de/unauf/content/view/2703/6/ - Diskussion an der HU Berlin über die Thematik der „Prüfungsunfähigkeit“

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