Fundstück 40. Kalenderwoche

(ag) In Halle sind im Moment noch viele Studierende auf der Suche – auf der Suche nach einer Wohnung. Denn die Wohnraum-Lage hat sich seit Beginn dieses Semesters dramatisch verschlechtert. Etwa 4000 Erstsemester haben Anfang Oktober ihr Studium an der MLU begonnen, ein Zuwachs von 12% zum Vorjahr.
Durch die Aussetzung der Wehrpflicht und den doppelten Abiturjahrgängen in Bayern und Niedersachsen strömen überdurchschnittlich viele Studienanfänger in diesem Jahr an die Uni. Halle kann überdies als Standort ohne Studiengebühren, mit einem breiten Fächerangebot und niedrigen Lebenserhaltungskosten vor allem bei jungen Leuten aus den alten Bundesländern punkten.
Das stellt den Wohnungsmarkt in Halle jedoch vor große Herausforderungen. Denn die vielen Erstsemester müssen ja auch irgendwo wohnen und eine bezahlbare Bleibe zu finden, ist mittlerweile schwierig. Teilweise schieben sich bei WG-Besichtigungen 30 Leute gleichzeitig durch die Wohnung, Studis müssen am Bahnhof oder in ihren Autos übernachten, für Zimmer in den Studentenwohnheimen gab es monatelange Wartelisten.
Die Stadtverwaltung sowie das Uni-Marketing haben etliche Tausend Euro für Werbe-Kampagnen ausgegeben, um neue Studierende an die MLU zu locken. So gibt es z.B. eine Kooperation mit Hessen, um Abiturienten das Studium in Halle attraktiv zu machen. Vernachlässigt wurde dabei aber, auch bezahlbaren und zentralen Wohnraum für die Neu-HallenserInnen zu schaffen.
Eher werden Wohnungssuchende darauf verwiesen, in dezentrale Viertel wie die Silberhöhe oder die Südstadt zu ziehen, da dort die Mieten auch für Studierende bezahlbar sind. Allerdings sind von dort die Wege zur Uni weit, die Infrastruktur soll zurückgebaut, statt ausgeweitet werden.
Dieses Problem ist aber keinesfalls nur auf Halle begrenzt, bundesweit häufen sich die Berichte über die desolate Wohnraum-Lage in den Uni-Städten. In Jena ist diese Angelegenheit keineswegs neu. Dort werden regelmäßig zu Beginn des Semesters Turnhallen angemietet, um den neuen Studis wenigstens kurzfristig eine Unterkunft bieten zu können. Viele ziehen in benachbarte Dörfer, weil sie sich die Mieten in Jena nicht leisten können. Diejenigen, die eine Wohnung in der Stadt gefunden haben, sehen sich mit stetig steigenden Mieten konfrontiert. In Frankfurt haben Studierende nun ein Haus besetzt, um auf ihre katastrophale Wohnlage aufmerksam zu machen und so Unileitung und Stadtverwaltung zum Handeln zu zwingen. Diese Liste ließe sich noch lange fortführen.
Noch fehlt in der Politik das Problembewusstsein für die Lage der Studierenden. Vielerorts steigen die Mieten, werden die Studis in abgelegene Stadtviertel gedrängt oder müssen überteuerte Preise für Wohnungen bezahlen, ohne dass beispielsweise die Städte- oder Länderverwaltung reagieren. In Halle wird gerade über die Wohnungsnot von SeniorInnen debattiert, die drängenden Probleme der StudentInnen werden außen vor gelassen.
Dabei zwingt es aber viele Studierende sich über Nebenjobs z.B. die Miete finanzieren zu müssen oder hält einige von vornherein davon ab, ein Studium aufzunehmen.
Hier muss dringend ein Umdenken in der Politik stattfinden und das Problem des Mangels an bezahlbaren Wohnraum als existenzielles Problem von vielen Studierenden erkannt werden.

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http://schlaflosinfrankfurt.blogsport.de/
http://www.sueddeutsche.de/karriere/bla ... -1.1171697

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