Fundstück der 42. Kalenderwoche Griechenland – Wir sollten nach vorne und nicht zurückschauen

2008 haben sich die Banken verspekuliert und die Staaten der Welt mussten ihre Nationalen Banken retten; damit wurde aus der Bankenkrise eine Staatenkrise. Nach dem Crash sollte es mehr Regulierungen geben, doch nichts geschah. Kaum stiegen die Börsenkurse wieder, war das Thema aus der Welt. Die Banken fuhren wieder Gewinne ein, der deutsche Export florierte auf Grund der gigantischen Rettungspakete im EU Raum und die FDP dachte nun wieder über ihr Wahlversprechen nach – Steuersenkung.
Waren wir wieder im Wirtschaftswunder?

Kaum, um das zu erkennen genügte ein kurzer Blick in Richtung Mittelmeer. Griechenland hatte mit der Ankurbelung der Wirtschaft weit weniger Erfolg als Deutschland.
Warum wurde breit diskutiert: die Griechen sind faul, sie leben über ihre Verhältnisse und sie sind korrupt. Nicht bedacht wird dabei immer, dass die Deutschen Löhne seit 10 Jahren stagnieren (den Gürtel enger schnallen, Deutschland wettbewerbsfähiger machen) und deshalb die Lohnstückkosten die niedrigsten in der ganzen Euro-Zone sind. Was bedeutet, dass es für die Südeuropäer günstiger ist aus Deutschland zu importieren als selbst zu produzieren und damit haben sich gigantische Auslandsschulden angehäuft. Vor dem Euro hätten sie ihre Währung einfach abgewertet, doch das geht nun nicht mehr und somit sind die Rettungspakte der EU Länder indirekt nach Deutschland geflossen.
Anstatt über einen Ausschluss Griechenlands nachzudenken (was bedeutet, dass sie ihre Euroschulden in Drachmen zurückzahlen müssten) sollte über eine Umstrukturierung innerhalb der EU nachgedacht werden.
Richtig ist: Griechenland hätte wirtschaftlich nie in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen, da sie vorher schon eine zu Hohe Staatsverschuldung hatten, wir haben sie aber auch mit aufgenommen!
Die langfristige Verschuldung innerhalb der EU und die Bankenrettungen haben die Rating Agenturen veranlasst die Bonität Griechenland herabzustufen.
Doch warum hat Griechenland Probleme und die USA nicht?
Die USA sind in ihrer eigenen Währung verschuldet und Griechenland nicht, denn der Euro wird von der EZB herausgeben, das heißt Griechenland kann nicht einfach Geld „drucken“.
An diesem Punkt wurde von Griechenland verlangt zu „sparen“, was sie umso tiefer in den Strudel geraten ließ, denn die Nachfrage ging aufgrund der Kürzungen stark zurück.
Nun ist die Frage wie Griechenland langfristig stabilisiert werden kann, um so auch das zusammenbrechen von Italien und Spanien zu verhindern. Ein Weg wäre gewesen Griechenland regulär Pleite gehen zu lassen, doch dann hätten auch private Anleger ihr Geld verloren, was mittlerweile größtenteils abgezogen wurde. Heute ist dies schwieriger, da die europäschen Staaten mehr Geld geleihen haben und dies bei Italien und Spanien zur Kettenreaktion kommen kann.
Um Griechenland zu Helfen kann es nur heißen: Mehr EUROPA. Die Europäsche Wirtschaft muss mehr aufeinander abgestimmt werden, die strukturellen Schwächen müssen beseitigt werden, wenn der Euro langfristig erhalten bleiben soll.
Es sollte wieder feste Wechselkurse zwischen den Währungen geben. Darauf aufbauend sollte unter der Leitung der UNO eine Weltwährung eingeführt werden, diese könnte aus den strukturellen Fehlern der Wirtschaftsunion in Europa lernen. Im selben Prozess könnten verbindliche Regelungen für den Kapitalmarkt geschaffen werden, was auch eine Umstrucktierung der Rating Agenturen mit einschließt. Fest steht, Griechenland kann nicht mit mehr Geld geholfen werden, sondern nur mit einer Perspektive, die langfristig dazu beträgt die Verschuldung (gegenüber dem Ausland) abzubauen.

Kommentare

  1. Hallo,

    schön, dass hier dieses brennend aktuelle Thema aufgegriffen wird. Zum Thema, was hilft Griechenland, sollte Folgendes nicht vergessen werden: Griechenland und auch die anderen Krisenstaaten (Spanien, Portugal, Italien) werden wohl nur dann ihre Staatsverschuldung in den Griff bekommen können, wenn ihre Wirtschaften wieder wettbewerbsfähig werden [Ich hasse diese liberale Vokabel zwar, aber hier passt sie ganz gut]. Das können sie nur, wenn in Deutschland das Lohndumping beendet wird und die deutschen ArbeitnehmerInnen mit anständigen Lohnsteigerungen und einem Mindestlohn, der nicht auf Leiharbeitsniveau von 7 € liegen darf, an der hohen Produktivität der deutschen Wirtschaft beteiligt werden. Eine weitere Maßnahme ist natürlich der Aufbau einer funktionierenden Steuerverwaltung und die Erhebung von spürbaren Vermögenssteuern (in der ganzen EU). Ob mehr Europa hilft, da bin ich skeptisch. Nötig wäre ein anderes, solidarisches Europa, das nicht in erster Linie ökonomischen Kriterien genügt, sondern vor allem kulturelle und friedenspolitische Dividende abwirft, um es mal wieder ökonomisch auszudrücken.

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