Burschi-Werbung von RCDS und LHG: Unnötig wie erwartet

Am letzten Donnerstag haben die Konservativen und Liberalen an der MLU versucht, eine Dialogveranstaltung zum Thema „Studentenverbindungen“ zu inszenieren. Beim Versuch ist es allerdings auch geblieben: Auf dem Podium saß niemand, der sich wirklich theoretisch oder auch nur empirisch mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, sondern nur die vermeintlich „Betroffenen“ also die Sprecher*innen der einzelnen Studentenverbindungen. Daraus wurde ihnen von RCDS und LHG dann auch noch ein Expertenstatus gestrickt, der alle ernsthaften Gegenargumente mit einem „Stimmt doch gar nicht“ zu entkräften glaubte. Ironischerweise sind die beiden verantwortlichen Organisatoren der Veranstaltungen auch Mitglieder einer Studentenverbindung (VDSt Halle-Wittenberg und KDSTV Rheno-Saxonia) und hatten ihren Männerbund über ihre Hochschulgruppe selbst eingeladen.

Damit ist auch schon das erste Thema umrissen: Auf die Kritik des hauptsächlichen Auschlusses von Frauen (Vertreten waren die erwähnten Verbindungen VDSt, KDSTV, sowie die Landsmannschaft Vitebergia, das Corps Guestphalia, das Corps Palaiomarchia, der Hallenser Wingolf und – als einzige gemischte Verbindung – die ATV Gothia) wusste niemand ernsthaft zu antworten. Einige wollten marktwirtschaftlich erklären, dass es keinen Bedarf von Frauen gäbe, konnten aber nicht sagen, warum man den Beitritt nicht erlaubt. Andere fanden den teilweise verpflichtenden Fechtsport allzu männlich. Wiederum andere stellten richtig fest, dass sich die Diskussion im Kreis drehe, um diese selbstverschuldete Tatsache sofort den Kritiker*innen vorzuwerfen. Jedenfalls sei man völlig un-sexistisch und die Geschlechtertrennung sei quasi rein kontingent, aber dennoch wichtig.

So ging es auch beim Thema der Verbindungen zur extremen Rechten weiter. Natürlich habe man nichts mit rechten Burschenschaften zu tun, die faschistische Germania habe sogar Hausverbot. Das führten beinahe alle Verbindungen aus – bis auf die Landsmannschaft Vitebergia die mit der erwähnten Germania und ihren rechtsextremen Verbündeten in einem gemeinsamen Waffenring ist. Auch wenn diese Abgrenzung erst einmal vernünftig ist, nahm eben doch niemand Anstoß daran, dass eine Verbindung eben das komplette Gegenteil macht.

Für den Rest des Abends wurde die Kritik gekonnt abmoderiert und es gab vor allem die erwarteten Werbefrage. Auf die Frage „Was macht ihr eigentlich so?“ konnten alle sieben Verbindungen ihre Werbung machen und die vermeintlichen Vorzüge darstellen. So kam heraus, dass man große Vorteile durch die „Solidarität“ der alten Herren habe – was natürlich keine Seilschaft wäre, sondern anthropologische Grundkonstante. Man sei sehr party-affin, aber Kampftrinken gäbe es natürlich nicht und vom real vorhandenen Kotzbecken wollte dann auch niemand was wissen.

Die Pointe dieser erwartbar unnötigen Werbeveranstaltung kam dann am Tag danach, als einer der Organisatoren auf Facebook beklagte, dass der SDS sich kritisch geäußert und danach Bier geklaut hätte. Beide Vorwürfe werden wir nicht kommentieren, sie sprechen schließlich für sich selbst. Der daran anschließenden Forderung an uns, wir sollten es besser machen, kommen wir ja ohnehin seit Jahren nach.

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