Für Kritik an Hans-Joachim Maaz – gegen seinen Auftritt in der Leopoldina!

Am 23.11.2019 soll der hallesche Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz mit seiner Stiftung „Beziehungskultur“ den 3. Stiftungstag in der Leopoldina begehen dürfen. Was erstmal nicht weiter dramatisch klingt, weist aber darauf hin, dass die „Nationale Akademie der Wissenschaften“ scheinbar nicht mehr bereit ist, sich gegenüber rechtsoffenen Positionen abzugrenzen. Denn Hans-Joachim Maaz mag zwar vor allem als Populärwissenschaftler und selbsternannter Ostdeutschlandkenner bekannt sein und launige Bücher mit Alltagsphrasen und Kalendersprüchen („Jede Feindseligkeit ist ein Symptom früher Bedrohung und jede Verliebtheit ein Ausdruck früher Bedürftigkeit.“ / aus: „Die Liebesfalle“) schreiben, nimmt aber trotzdem vermehrt eine Scharnierfunktion zur extremen Rechten ein.

Er hat dementsprechend die „Charta 2017“ unterschrieben, die eine Unterdrückung rechtsextremer Verlage auf der Buchmesse in Frankfurt behauptete und sich damit schützend vor den Kubitschek-Verlag „Antaios“ gestellt, bei dessen Veranstaltung es zu Ausschreitungen durch „Identitäre“ gekommen war. (1) Generell hat er für rechtsextreme Aktionen Verständnis gezeigt, wie zB die Randalen in Chemnitz. (2)

Darüber hinaus hat er die „Gemeinsame Erklärung 2018“ unterschrieben, die sich über „illegale Masseneinwanderung“ beschwert und auch von den tragenden Figuren der extremen Rechten unterschrieben wurde. Dazu gehören beispielhaft: Ellen Kositza (deren Unterschrift aber zurückgezogen wurde), Karlheinz Weissmann (Junge Freiheit), Till Kinzel (u.a. IfS), Dieter Stein (Junge Freiheit), Max Otte (AfD-Stiftung), Lothar Fritze (IfS-nah), Martin Semlitsch (IfS/Sezession). Diese Liste ließe sich lange fortsetzen und man würde auf einige völkische, mit der „Identitären Bewegung“ verbundene Propagandist*innen stoßen, die gemeinsam mit Maaz quasi ein „Merkel muss weg“-Bekenntnis unterschrieben haben. (3)

Aber die Berührungspunkte von Maaz reichen weit darüber hinaus: Er hat nicht nur bei großen Erklärungen Kontakt zur extremen Rechten, sondern auch in seinem sonstigen Wirken. Hierbei fällt vor allem auf, dass er verstärkt die Kooperation mit rechten, meist antisemitischen „Alternativmedien“ sucht und es verwundert nicht, dass er quasi auf jedem verschwörungsideologischen YouTube-Kanal schon einmal ein Gastspiel hatte. Er war mehrfach Gast beim Portal „KenFM“, bei den „Zinskritikern“ der „Wissensmanufaktur“, bei dem russischen Staatssender „RT Deutsch“ und bei „Freie Welt TV“ von Beatrix von Storch. Seine Vorträge sind sowohl beim AfD-nahen „EingeSCHENKt.tv“ zu finden als auch beim faschistoiden Kanal „NuoViso.tv“. Das allein ist schon problematisch, denn bspw. bei NuoViso gehört die Nähe zur Volksverhetzung, Relativierung der Shoah und zur Reichsbürgerideologie zum Tagesgeschäft. (4) Es sind allerdings nicht nur seine Kontakte und Auftritte, die problematisch sind, sondern auch die Inhalte seiner „normalen“ Auftritte. So berichtet die „Märkische Allgemeine“ beispielsweise von einem Vortrag in Bergsdorf, wo er die Situation in der BRD mit dem Ende der DDR verglich, für „Alternativnachrichten“ warb und Kindertagesstätten scheinbar einen schlechten Einfluss attestierte. (5) Auch ist bekannt, dass er sich positiv auf die Forderungen von PEGIDA bezogen hat und Angela Merkel in die Nähe einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung per bestimmt ausgewogener Ferndiagnose rückte.

Deshalb lehnen wir als antifaschistische Studierende den Auftritt von Hans-Joachim Maaz in der Leopoldina ab und wünschen uns eine kritische Behandlung seiner Thesen und Kontakte. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass man der Maaz-Stiftung bis zur Revision der hier skizzierten Haltung keine Räume mehr zur Verfügung stellen sollte - das gilt auch für den Stiftungstag selbst. Für den 23.11. fordern wir alle weiteren Referent*innen der Tagung dazu auf, ihre Teilnahme zu überdenken und idealerweise abzusagen.
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