Welche Hochschulpolitik braucht es im zukünftigen Landtag von Sachsen-Anhalt?
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
Die Gestaltungsspielräume auf Landesebene sind klein - nicht so klein, wie Regierungen, die für nichts verantwortlich sein wollen, immer tun, aber eben dennoch recht beschränkt. Das liegt u.a. an der neoliberalen Schuldenbremse im Grundgesetz (CDU&SPD, 2007), an der Prekarisierungspolitik, die v.a. arme Länder wie Sachsen-Anhalt trifft (SPD&GRÜNE, 2004) und an der absoluten Orientierung an privatem Kapital (jede Regierung bisher). Dass Politik seit der Finanzkrise von 2008 bevorzugt mit zweckgebundenen Sondervermögen gemacht wird, hilft dabei auch nicht. Genausowenig wie der aktuelle Sozialkahlschlag, der Sachsen-Anhalt besonders hart treffen wird.
Gleichzeitig
können Landesregierungen bzw. Parlamentsmehrheiten entscheiden, ob das
wenige verfügbare Geld in Prestigeprojekte und die Privatwirtschaft oder
zum Aufbau öffentlicher Infrastruktur genutzt wird. Sie können
entscheiden, ob man zusätzliche Mittel aus Berlin im Haushalt versickern
lässt oder an die Stellen weitergibt, die es brauchen. Sie können sich
dazu entscheiden, nicht ständig viel zu späte Haushaltspläne vorzulegen,
die wichtige Träger monatelang im Ungewissen lassen. Und: Eine
Landesregierung kann im Bundesrat auch widersprechen, wenn es heißt,
arme Leute sollen nicht mehr zum*zur Zahnärzt*in, alle sollen länger
arbeiten und die Psychotherapie wird abgeschafft.
Das
hat die derzeitige Landesregierung (CDU/SPD/FDP) nicht getan und auch
die Vorgängerin (CDU/SPD/GRÜNE) hat sich nicht anders aufgestellt. Im
Bestenfall haben die Landesregierungen schlicht und ergreifend auf das
Ende der Wahlperiode gewartet und gehofft, dass nichts besonders
Schlimmes passieren wird - oder Intel ganz großmütig tausende von gut
bezahlten Arbeitsplätzen im Norden des Landes schafft, was dann
natürlich nicht eingetroffen ist. In der Hochschulpolitik sehen wir das
Versagen der Landesregierung daran, dass bis heute die
Hochschulstrukturplanung von 2014 gilt, in der die Kürzung zahlreicher
Fächer an der MLU vorgesehen ist (z.B. Medien, Sport, Informatik,
Geowissenschaft, Musik und Psychologie). Da sich das Budget immer noch
grundsätzlich an dieser Strukturplanung orientiert, wurde die MLU im
Jahr 2022 auch dazu genötigt, nachholende Kürzungen durchzuführen, die
zwar nicht die genannten, aber zahlreiche kleine Fächer getroffen und
das Betreuungsverhältnis grundsätzlich verschlechtert hat.
Dass
sich nichts verbessert, sehen wir auch im Bereich der
Arbeitsbedingungen. Es gibt regelmäßig Positionspapiere,
Selbstverpflichtungen und sogar Programm zur Reduktion der
Kettenbefristungen, aber real passiert nichts. Stattdessen müssen
Menschen mit Qualifikationsstellen immer mehr Aufgaben übernehmen. Ein
besonders prägnates Beispiel bietet das Thema TVStud: Obwohl hier die
Länder sich dazu verpflichtet haben, eine Mindestvertragslaufzeit von
zwölf Monaten zu ermöglichen, liegt der Schnitt in Sachsen-Anhalt bei
jeder einzelnen Hochschule deutlich unter dieser Zahl - bei einigen
haben sie sich sogar verschlechtert.
Und
obwohl bei der Hochschulgesetzesnovelle von 2019-21 auch die
Demokratisierung der Hochschulen als Ziel ausgegeben wurde, hat sich die
Lage verschlechtert: Nicht nur wurde das Mehrheitsverhältnis in den
universitären Gremien landesweit stattdessen weiter zu Gunsten der
Professor*innen ausgebaut. Auch die Hochschuldemokratie an sich ist
erlahmt, weil die Rektorate alles mit dem Land bereden, aber vor Ort
kaum noch etwas entschieden wird. Wir sehen es an der MLU, wo es nicht
einmal mehr Gegenkandidat*innen zur amtierenden Rektorin gab.
Dabei
hätte eine progressive Hochschulpolitik viel Potential. Eine
ordentliche Grundfinanzierung könnte die Fächervielfalt an der MLU
sichern und gleichzeitig mehr Interessierte nach Halle holen. Diese
könnten von Mitarbeiter*innen mit festen Verträgen deutlich besser und
nachhaltiger betreut werden. Ein Studierendenwerk, was nicht ständig
kürzt oder die Preise erhöht, könnte sie ohne Probleme versorgen. Über
die Lage der Studierenden, über die Ausrichtung der Fakultäten und
gerechte Bedingungen für alle könnte in einem Senat gestritten werden,
der nicht vollkommen unter der unumschränkten Herrschaft der Profs steht
- und Studierende und Mitarbeiter*innen als Rektoratsmitglieder könnten
dafür sorgen, dass die Realität auch dort berücksichtigt wird. Ohne
Kürzungsdruck könnten es tatsächlich mal Investitionen in das geben, was
notwendig ist: Mehr Beratung, Unterstützung statt Leistungsdruck,
Barrierefreiheit, Inklusion,
Transparenz, Gleichstellung und ein funktionierendes
Nachhaltigkeitsbüro. Eine demokratische, ausfinanzierte und autonome
Hochschule ist auch die beste Bedingung dafür, gegen die Faschist*innen
von der AfD zu bestehen.
Deshalb sagen wir: Es braucht eine linke Hochschulpolitik nach der Landtagswahl!
- Link abrufen
- X
- Andere Apps
.png)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen